Da ist nun mal wieder eine dieser pikanten Situationen im Rennsport passiert: Zwei Teamkollegen kollidieren, und das in Führung liegend. Immer wieder wird in jedem Team gesagt: "so etwas darf nicht passieren", und immer wieder kommt es dann doch vor. Manchmal halten Fahrer das für normal, wer erinnert sich da an die Herren Olivier Pla und Alex Premat in der Formel 3 vor einigen Jahren?
Wann war dies in der Formel 1 zuletzt der Fall? Manche gehen zurück in die Ära Senna/Prost. Vergleichbar ist dies jedoch nicht mit dem RedBull Duo Mark Webber und Sebastian Vettel, denn damals war Absicht im Spiel. Und diesmal?
Gesten und Gesichter der betroffenen Fahrer sagen wie so oft mehr als Worte. Dass ein Fahrer unmittelbar nach einer Kollision eh den anderen für den Schuldigen hält liegt in der Natur der Sache. Hochinteressant waren nach dem Rennen Kommentare von Fahrerkollegen. So wurde dem Nico Rosberg von Sky der Unfall zum ersten Mal gezeigt. Sichtlich überrascht von der Heftigkeit des Unfalls machte er als Auslöser gleich das Nach-rechts-ziehen von Sebastian als Ursache aus. Lewis Hamilton war direkt hinter den beiden als der Unfall passierte. Er wollte seine Meinung zur Unfallursache nicht direkt kundtun, nicht ohne aber in einem Nachsatz zu erwähnen dass Mark wohl das Opfer ist. Man hört dass innerhalb des RedBull-Teams manche Leute das eher andersrum sehen - dies wirft wiederum Fragen nach dem Rückhalt für Mark Webber teamintern auf und nach dessem Einsatzteam 2011.
Was wirklich passiert ist, ist eigentlich einfach: Ein Fahrer fährt mittig um den überholenden das Leben nicht zu einfach zu machen. Der andere fahrer will überholen, hat dabei knapp genug Platz und zieht plötzlich etwas Richtung Ideallinie und der Platz geht aus.
Für mich zeigt die Analyse: Beide Fahrer haben den anderen falsch eingeschätzt. So ging wohl Vettel davon aus dass sein Teamkollege schon zur Seite fährt wenn er kommt. Umgekehrt dachte Webber wohl, sein Teamkollege würde nie in ihn Reinfahren. Ob das Naivität ist, oder Vertrauen auf den Respekt unter Teamkollegen kann sich jeder selbst überlegen.
Interessant auch die Aufklärung wie es dazu kommen konnte nachdem Mark Webber zu beginn des Rennens schneller wirkte: Webber war zu dieser Zeit am Benzinsparen und Vettel konnte aufschliessen. Zusätzlich wurde am Kommandostand auch überlegt, Webber anzuweisen dass Vettel vorbeifahren darf weil Hamilton sonst Vettel zu gefährlich wird. Der Funkspruch kam aber nicht mehr rechtzeitig.
Da die Schuldfrage nicht eindeutig geklärt werden kann und wenn man dazu die WM-Situation mit bedenkt, verspricht dies noch einige Zeit uns zu beschäftigen. Denken wir zurück um ein Jahr, welche unschönen Themen damals dauerhaft in den Medien präsent waren. Heute sind es sportliche Dinge. Vergessen sollten wir auch nicht dass der Türkei GP bis zum Unfall uns einen dauerhaften Vierkampf um die Führung gezeigt hat.
Und das ist das Gute daran: Diese WM-Saison ist eine der allerbesten, wenn nicht die Beste überhaupt. Und wir Fans sind dankbar dass es so ist!
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